Im Rahmen der Reihe zur Literatur um 1800 haben sich Schüler aus der Q1 mit Gedichten aus der Epoche der Romantik befasst. Dabei haben sie eine moderne Fassung zu einem Gedicht von Achim von Arnim geschrieben.
moderne Fassung: Timon Etzold, Yannik Stecher, Simon Tanger
Stolze Einsamkeit – 2.0
Im Handy, im Handy, da wird mir so licht,
Wenn draußen die echte Welt langsam zerbricht.
Da liegen die Storys wie glitzernde Blätter,
Da scroll’ ich mich runter durch Meme-Gewetter.
Da fühl’ ich mich schwimmend in pixelnder Flut,
So nice ist’s geworden – doch selten echt gut.
Im Handy, im Handy, da wechselt mein Bild,
Wenn draußen die Welt mal kurz Pause spielt.
Da trag’ ich mein brennendes Herz wie ’nen Post,
Mein Avatar kämpft – und ich fühl’ mich so lost.
Da steig’ ich, als wär’ ich der Boss dieser Welt,
Doch sing’ mich kaum frei, weil der Akku schon fällt.
Im Handy, im Handy, da schrei’ ich mich aus,
Weil ich hier der Welt meine Ruhe verkauf’.
Da bin ich so frei, doch auch ziemlich allein,
Was schadt’s, wenn ich tausend Filter noch rein?
Ich steh’ in mir selbst wie in virtuellem Schloss,
Doch manchmal fühl’ ich mich winzig statt groß.
Im Handy, im Handy, da kommt mir die Nacht,
Wenn draußen die Stadt durch die Straßen noch lacht.
Da naht sie mir leis’ und so müde, so sacht,
Dass Einsamkeit stille mein Herz überrascht.
Da löscht sich der Lärm, doch die Stille wird groß –
Und ich such’ mir Nähe im endlosen Scroll-Los.
Achim von Arnim: Stolze Einsamkeit (1813)
Im Walde, im Walde, da wird mir so licht,
Wenn es in aller Welt dunkel,
Da liegen die trocknen Blätter so dicht,
Da wälz ich mich rauschend daunter,
Da mein ich zu schwimmen in rauschender Flut,
Das tut mir in allen Adern so gut,
So gut ist’s mir nimmer geworden.
Im Walde, im Walde, da wechselt das Wild
Wenn es in aller Welt stille,
Da trag ich ein flammendes Herz mir zum Schild,
Ein Schwert ist mein einsamer Wille,
Da steig ich, als stieß ich die Erde in Grund,
Da sing ich mich recht von Herzen gesund
So wohl ist mir nimmer geworden.
Im Walde, im Walde, da schrei ich mich aus,
Weil ich vor aller Welt schweige,
Da bin ich so frei, da bin ich zu Haus.
Was schadt’s, wenn ich törigt mich zeige,
Ich stehe allein, wie ein festes Schloss,
Ich stehe in mir, ich fühle mich groß,
So groß als noch keiner geworden.
Im Walde, im Walde, da kommt mir die Nacht,
Wenn es in aller Welt funkelt,
Da nahet sie mir so ernst und so sacht,
Dass ich in den Schoß ihr gesunken, da löschet sie aller Tage Schuld, Mit ihrem Atem voll Tod und voll Huld,
Da sterb ich und werde geboren.
Bild: Pixabay, Dife88


