Im Deutschkurs der EF von Frau Schnurr durften die Schülerinnen und Schüler am Ende der Lyrikreihe einen Poetry Slam verfassen und es mit dem Thema Identität in Verbindung bringen.
Hier ist das gelungene Ergebnis von Yael Katz:
Was ich meinen Lehrern am liebsten sagen würde.
Eigentlich ist es doch egal, ob ich wirklich was versteh,
oder ob ich nur so tu, als würd ich alles sehn.
Ob ich mir Mühe gebe oder einfach nichts mehr mach,
oder meine Hausaufgaben vom Streber machen lass.
Denn am Ende zählt ja eh nur, was ich auf dem Zeugnis stehen hab.
Was ich meinen Lehrern am liebsten sagen würde.
Der Sportlehrer fragt: „Und? Ist der Fehler?“ – ganz sacht,
doch was er tut, ist alles andere als angebracht.
Jeder kennt Geschichten, jedes weiß Bescheid,
doch wenn man sich beschwert, fehlt plötzlich die Zeit.
Die Beschwerden prallen ab, als wären sie aus Stein,
denn statt Konsequenzen stellt sich keiner gegen ihn allein.
Was ich meinen Lehrern am liebsten sagen würde.
Der Stundenplan ist voll, die Hausaufgaben steh’n bereit,
für Hobbys, Freunde oder gar etwas Schlaf bleibt kaum noch Zeit.
Ihr fordert immer mehr, als wär’n wir nie erschöpft, doch wundert euch, wenn unser Kopf irgendwann nur noch klopft.
Zehn Aufgaben für morgen, drei Tests diese Woche, noch nicht mal Zeit,
dass ich für mich selber koche.
Was ich meinen Lehrern am liebsten sagen würde.
Die Angst vor der Note sitzt mir im Nacken,
ich lerne bis spät, kann kaum noch abschalten.
Was, wenn ich durchfall? Was, wenn ich versag’?
Was, wenn ich meinen Eltern die Enttäuschung nicht erspar’?
Die Lehrer fragen streng: „Was soll denn das sein?“
Und ich will doch nur einmal gut genug sein.
Denn hinter jeder Note steckt so viel mehr,
Druck, Angst und Erwartung – und mein Kopf immer schwer.
Was ich meinen Lehrern am liebsten sagen würde.
Der Lehrer erklärt es einmal, ich versteh kein Wort,
also frag ich noch mal nach und hoffe auf ein neues Wort.
Doch er sagt exakt dasselbe, als wär’s plötzlich sonnenklar,
und ich sitze da und denke: „Was war das jetzt wirklich?“
Vielleicht mit einem Beispiel, ’ner Zeichnung oder ’nem Bild,
doch stattdessen wird erklärt, bis mein Kopf vor Frage brüllt.
Wir wollen doch verstehen, nicht nur abschreiben und schweigen,
also erklärt es mal anders, statt das Gleiche zu zeigen!


